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Kurznachrichten

algeria-watch, Oktober 2000

Neuer Fall von "Verschwindenlassen"

Aus Constantine wurde uns gemeldet, daß Hilal Gouasmia, geboren am 23. April 1980, Auszubildender am 11. September 2000 um 10. Uhr morgens in einer Pizeria in Constantine (Osten des Landes) von sechs Polizisten in Zivil festgenommen worden ist. Seitdem ist er "verschwunden". Die Polizisten kamen am nächsten Tag am selben Ort zurück, um einen anderen Mann festzunehmen, dessen Onkel zu den "Verschwundenen" zählt. Die Familie Gouasmia hat einen weiteren Sohn der seit 1994 "verschwunden" ist, ein Dritter ist extralegal getötet worden während einer Durchkämmungsoperation, der Vierte ist im Untergrund. Frau Gouasmia war am 7. Juni 1996 mit ihrem Sohn Hilal und einer Tochter festgenommen und für neun Tage inhaftiert worden. Damals war Hilal minderjährig.

Seit über fünf Monaten "Verschwunden"

Herr Hadj M'lik, geboren 1927, verheiratet und Vater von 7 Kindern wurde am 14. April 2000 in seiner Wohnung von Agenten des Sicherheitsdienstes entführt. Seitdem ist er "verschwunden". Seine Frau berichtet, daß an diesem Tag um 20 Uhr etwa 12 Männer, die weder einen Haftbefehl noch einen Dienstausweis vorlegten, ihn mitnahmen. Vor der Tür sah sie ein cremefarbenes Auto des Typs Renault 21. Ein Gefangener teilte der Familie mit, den Vermißten Ende April in der Kaserne des Sicherheitsdienstes in Ben Aknoun gesehen zu haben, aber offiziell ist nichts bekannt.

Rechtsanwälte beklagen Hindernisse in ihrer Arbeit

Die Tageszeitung La Tribune berichtet am 11. Mai 2000, daß die von algerischen Anwälten vor der Abreise der Delegation von Amnesty International am 12. Mai geplante Veranstaltung über die Lage der Menschenrechte in Algerien, nicht stattfinden darf. Der Menschenrechtsverteidiger und Präsident der unabhängigen Menschenrechtsliga Ali-Yahia Abdennour hatte seinerseits um die Erlaubnis gebeten, eine Pressekonferenz im Pressehaus "Tahar Djaout" abzuhalten. Sowohl die Direktion des Festsaal "Afrique" wie auch die des Pressehauses geben vor, daß Umbauarbeiten die Räumlichkeiten unzugänglich machen. Währenddessen konnten andere Vereine, Persönlichkeiten und Journalisten am 11. Mai ein Meeting im Saal "Ibn Khaldoun" abhalten, wo sie ihre Opposition gegenüber Amnesty International zum Ausdruck brachten.

Viel Wind um nichts

Libération, 14 Juni 2000: Die Absetzung eines großen Teils der Walis (Präfekten), eine Maßnahme, die auch im Ausland als ein Symbol für die Wende angesehen wurde, hat sich als Fehlschlag erwiesen. Im Januar 2000 beschließt eine Kommission auf diskrete Weise, die meisten von ihnen wieder in ihren alten Ämtern zu bestätigen.

Offiziell beträgt die Zahl der "Reumütigen" nicht mehr als 1500 Personen, aber aus Juristenkreisen heißt es, daß die Zahl zu halbieren ist. "In Sachen Amnestie sind Militärs und Sicherheitskräfte die ersten Nutznießer. Geschäftsleute folgen als zweite in dieser riesigen Operation des Weißwaschens: am 27. Mai hat die Konföderation der Unternehmer eine generelle Tilgung der Schulden und Steuerstrafen gefordert."

Bekanntgabe der Opferzahl

Auf seiner offiziellen Reise nach Frankreich hat Präsident Bouteflika vor Journalisten bekanntgegeben, daß bislang der Krieg in Algerien 150 000 Todesopfer gekostet hat. Bis dahin wurde offiziell von 26 000 Toten gesprochen, während Menschenrechtsorganisationen und ein Teil der Opposition schon seit 1997 die Zahl von über 100 000 Toten angab. Algerische Stellen sprechen von 600 000 Personen, die ihren Wohnort verlassen haben, um sich in Sicherheit zu bringen. Oftmals leben diese Familien in Slums außerhalb der Städte.

Massengrab verlegt

Die zweiwöchig erscheinende Zeitung Libre Algérie führt in ihrer Ausgabe vom 3.-18. Juni ein Gespräch mit Mohamed Hadj Smain, Mitglied der LADDH (Ligue Algérienne de Défense de Droits de l'Homme). Dieser berichtet, daß er mit zwei Angehörigen von "Verschwundenen" festgenommen und zehn Stunden inhaftiert wurde, als sie sich an dem Ort, an dem sie Massengräber gefunden hatten aufhielten, weil kurz darauf die Delegation von Amnesty International dorthin kommen sollte. Die drei Verhafteten hatten die frisch aufgewühlte Erde, die darauf hindeutete, daß die Massengräber kurz zuvor geöffnet und geleert worden waren, gefilmt. Ihnen wurde die Kamera und der Film entwendet. Es handele sich um Gräber, in denen die Leichen von verschwundenen Personen, die von den ehemaligen Bürgermeistern von Relizane, Hadj Fergane, und Djidiouia, Hadj Abed und ihren Milizen entführt und extralegal getötet worden waren.

Festnahme des Bruders von Ali Benhadj

Pressekommuniqué vom CCFIS und Libre Algérie vom 2-16 Juli 2000: Abdelhamid Benhadj, der Bruder des zu zwölf Jahren Haft verurteilten FIS-Führers Ali Benhadj ist am Sonntag den 18. Juni 2000 aus seiner Wohnung von Angehörigen des Sicherheitsdienstes entführt worden. Eine Woche lang war sein Aufenthaltsort unbekannt. Am 24. Juni wurde er freigelassen. Er berichtet von gewaltsamen Verhören durch Sicherheitsagenten. Die Polizei kündigte an, eine Untersuchung einzuleiten, um die Verantwortlichen der Entführung ausfindig zu machen!

Der Ex-Führer der LIDD äußerte sich in einem Interview

Libre-Algérie, 31 Juli-13 August: Der Ex-Emir der LIDD (Ligue Islamique pour la Daawa et le Djihad), eine der Gruppen, die sich dem Waffenstillstand der AIS anschloß und deren Mitglieder amnestiert wurden, sagte, daß das Gesetz der "zivilen Eintracht" (concorde civile) nicht zu den versprochenen Ergebnissen geführt hätte. Die Regierung habe ihre Versprechungen nicht gehalten: 25 seiner Männer seien noch inhaftiert, obwohl sie zu denjenigen gehörten, die den Waffenstillstand eingehalten hätten und zwar trotz des Versprechens, sie freizulassen. Einer sei zu 10 Jahren Haft verurteilt worden. Obwohl ihnen ihre Zivilrechte zugesprochen wurden, dürften sie sich nicht politisch artikulieren und trotz der Versicherung, sie könnten ihr Arbeitsrecht geltend machen, könnten sie ihre alten Posten nicht wieder bekleiden. Auch sei die monatliche Zahlung nur ein Mal erfolgt, allerdings wollten seine Männer und er diese finanzielle Unterstützung nicht annehmen, solange manche von ihnen in Haft seien. Aber Sorgen würden ihm die Äußerungen der laizistischen Strömung des RCD bereiten, die eine Verfolgung der Amnestierten verlangte, während sie selbst sich politisch nicht organisieren dürfte.

Er fügte hinzu, daß die Gewaltzunahme des Sommers nicht erstaunlich sei, da das neue Gesetz keine Lösung sei. Auch wundere er sich über diese operierenden GIA, die seines Wissens völlig ausgebrannt seien. "Es ist doch seltsam, daß die GIA bei jeder politischen Wende in Erscheinung tritt, als sei sie gesteuert". Zu dem Massaker am Strand von El Beldj bei Tipaza, sagte er, er habe die Leichen identifiziert, sie seien nicht aus seiner Gruppe, aber seine Leute wären eine Woche zuvor dort gewesen. Die sechs Toten waren Islamisten, meint der Journalist.

Der Kampf um die Wahrheit über die Ermordung von Lounes Matoub geht weiter

La Tribune vom 12. August veröffentlicht ein Interview mit Malika Matoub, der Schwester des berühmten Sängers, der 1998 auf ungeklärte Weise ermordet wurde. Damals haben die meisten Medien, auch in Deutschland, die Verantwortlichen sofort identifiziert: für sie gab es keinen Zweifel, daß Islamisten die Tat begangen hatten. Malika kämpft seit über zwei Jahren darum, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Sie stellt die offizielle Version in Frage und fordert eine ballistische Untersuchung am Ort der Ermordung, die bis heute nicht erfolgt ist. Sie erwähnt den Druck, den manche Personen auf die Ehefrau von Lounes Matoub ausgeübt haben, als sie sich nach dem Anschlag im Krankenhaus aufhielt. Sie wurde gezwungen, zu unterschreiben, daß die GIA diesen Mord verübt habe. Zu diesen Personen gehören Said Sadi, der Vorsitzende der RCD.

"Verschwundene" unter der Folter gestorben

Die Tageszeitung Le Jeune Indépendant vom 22. August 2000 berichtet, daß ein ehemaliger Polizeioffizier einen offenen Brief an den Präsidenten schickte. Darin versichert er u.a., daß Abdelkrim Azizi und sein Sohn Abdessamad, die beide am 22. September 1994 aus ihrem Wohnhaus entführt wurden, unter der Folter gestorben sind. Der Verantwortliche für den Tod dieser beiden Männer sei der Polizeioffizier Boualem Ould Ammi, der für weitere Menschenrechtsverletzungen bekannt ist. So soll er regelmäßig junge inhaftierte Männer, die wegen mutmaßlicher Unterstützung bewaffneter Gruppen festgenommen wurden, vergewaltigt haben. Er ist 1995 ermordet worden [aw: wir erhielten die Information, daß ein Gefangener, den Ould Ammi sexuell mißhandeln wollte, ihn getötet haben soll]. Die Familie soll daraufhin wegen "zweifelhaftem gewaltsamen Tod" Anzeige erstattet haben.

algeria-watch: Die Fälle Azizi gehören zu den dokumentierten Fällen, da die Töchter von Herrn Azizi später über die Vorfälle berichtet haben: In der Nacht vom 22. September 1994 um 1 Uhr Morgens stürmen Sicherheitskräfte das Haus der Familie in El Harrach (Algier). Sie schlagen um sich, zerstören das Mobiliar und stürzen sich auf Herrn Azizi, den sie ins Badezimmer schleppen, um ihn zu foltern. Den Bruder nehmen sie mit nach draußen und seitdem hat die Familie jede Spur von ihm verloren. Als die Badezimmertür sich ungewollt öffnet, sehen die Frauen der Familie Herrn Azizi. Er trägt eine Augenbinde und sein Gesicht ist blutüberströmt, denn sie haben ihm die Barthaare mit einer Zange herausgerissen. Als die Tür wieder geschlossen wird, wendet sich der Chef der Einheit den Frauen zu. Er greift die älteste Tochter und schleppt sie ins Nebenzimmer, um sie trotz der Schreie und Proteste der anderen Schwestern zu vergewaltigen. Dann geht er ins Badezimmer und assistiert den anderen bei der Folterung des Vaters. Kurze Zeit später kommt er erneut zu den Frauen, nimmt gewaltsam die jüngere Schwester und schleppt sie ins Nebenzimmer, um auch sie zu vergewaltigen. Er schleift sie dann unter Schlägen und Beschimpfungen ins Badezimmer, damit sie sehen kann, was mit ihrem Vater geschieht. Er liegt bewußtlos auf dem Boden. Schließlich nehmen sie ihn mit und verlassen das Haus mit der Drohung, daß, wenn die Frauen über das Geschehene sprechen, ihr Haus zerstört wird. Beide Männer wurden wahrscheinlich in das Kommissariat von Bourouba gebracht, wo Ould Ammi tätig war. Für die Familie gelten die beiden Männer als "verschwunden".

Neue Regierung aus alten Zeiten

Le Jeune Indépendant vom 28. August 2000 stellt fest, daß die neuen Minister zum größten Teil der alten, tot geglaubten ehemaligen Einheitspartei FLN angehören und zwar nicht dem Reformer-Flügel, sondern der alten Schule: Abdelaziz Belkhadem ist zum Außenminister ernannt worden und Mahieddine Amimour bekleidet das Amt des Kommunikationsministers. Le Quotidien d'Oran vom 28. August stellt fest, daß Belkhadem kaum seine Funktion ausüben wird, da der eigentliche Außenminister Bouteflika selbst ist, während der zweite bekannt ist als früherer Zensor. Der Regierungschef ist zurückgetreten, weil er es ablehnt, von Erlassen dirigiert zu werden, ein Umstand, den er für verfassungswidrig hält. Aber das Gerücht geht weiterhin um, daß Bouteflika die Verfassung ändern will. Rätselhaft ist allerdings das Wiedererscheinen des Generals Larbi Belkheir als Kabinettsdirektor des Präsidenten. Belkheir, eine der grauen Eminenzen des Regimes hatte die Kandidatur Bouteflikas stark unterstützt. Er wird allerdings als einer der vehementesten Kriegstreiber bezeichnet und 1998 hatte eine Zeitung behauptet, er verfüge über 300 Todesschwadronen, eine Information, die nie dementiert wurde.

Gerüchte gehen um: Bouteflika wird gehen

In mehreren algerischen Zeitungen der zweiten Septemberhälfte wird darüber gerätselt, ob Bouteflika noch lange an der Macht bleiben wird. Die Regierungsumbildung, die Ernennung von Generals Larbi Belkheir als Kabinettsdirektor und die Erwartung, daß ein weiterer Armeeangehöriger - General Mohamed Touati, Berater vom obersten Armeechef Mohamed Lamari - im Präsidialamt einzieht, würden darauf hindeuten, daß der Machtkampf sich weiter zugespitzt hat.

 

Auszüge aus der Chronologie des Grauens

An dieser Stelle führen wir nur einige der "spektakulärsten" Anschläge, die sich im Zeitraum Ende April bis Ende Juli ereignet haben, an, um deutlich zu machen, daß die Gewalt ihren Charakter nicht verändert hat und im ganzen Land stattfindet.

22. April 2000: die Tageszeitung El Watan berichtet, daß im April in der Region von Chlef mindestens 18 Menschen ermordet worden sind.

23. April 2000: Die Tageszeitung Le Soir berichtet, daß am 21. des Monats eine bewaffnete Gruppe eine Hochzeit in Ouled Salam, in der Region Batna stürmte und acht Personen die Kehle durchschnitten.

27. April 2000: El Watan berichtet, daß drei Hirten im Alter von 58 bis 68 Jahren in der Nähe von Tiaret tot aufgefunden wurden. Ihnen waren die Kehlen durchgeschnitten worden. Zwei weitere Hirten konnten fliehen, der eine ist verschwunden, der andere hatte die Behörden verständigt.

29. April 2000: Liberté berichtet, daß zwei Hirten in der Region Mascara mit durchgeschnittener Kehle aufgefunden worden sind.

4. Mai 2000: El Watan berichtet, daß an einer falschen Straßensperre in den Schluchten von La Chiffa, in unmittelbarer Nähe eines Militärpostens ein Bus von Angreifern, die Militärkleidung trugen, angehalten wurde und die Passagiere erschossen wurden. Die Überlebenden wurden verbrannt. Dreißig Personen starben. Dieses Verbrechen fand statt während Amnesty International eine Delegation ins Land entsandt hatte. Le Matin berichtet am 6. Mai, daß seit Ende Januar etwas mehr als 100 Menschen auf dieser Straße getötet wurden.

7. Mai 2000: Le Matin berichtet, daß die neun Personen (bis auf eine alles Kinder), die am 1. Mai in Zrayeg (70 Km von Tissemsilt) entführt worden waren, tot aufgefunden wurden. Sie wurden bestialisch verstümmelt. La Tribune berichtet später, es habe sich um einen persönlichen Racheakt gehandelt.

7. Mai 2000: Liberté berichtet, daß ein "Reumütiger" von einer bewaffneten Gruppe in der Nacht vom 5. zum 6. Mai in seiner Wohnung aufgesucht und ermordet wurde. Er hatte sich am 20. März den Behörden gestellt. In Raffour ist ein weiterer "Reumütiger" schwer verletzt worden

10. Mai 2000: Le Matin berichtet, daß während eines Bombenanschlags auf dem Weg einer Militärpatrouille im Wald Stamboul (Mascara) ein Soldat getötet und sechs weitere verletzt wurden.

13. Mai 2000: El Watan berichtet, daß sieben Personen bei zwei Anschlägen von Angreifern in Militäruniformen auf der Nationalstraße 4 in der Region Ain Defla starben. Sie wurden, wenige Meter von einem Militärposten und einen Posten der Kommunalgarde entfernt, in ihren Autos angehalten und erschossen.

16. Mai 2000: El Watan berichtet über den Tod einer älteren Frau durch die Explosion einer Bombe in der Nähe von El Khemis; während le Quotidien d'Oran von dem Tod eines Jugendlichen in der Region Saida durch eine Bombe berichtet.

17. Mai 2000: Liberté berichtet, daß die FFS gegen die Ermordung eines Bürgers in Boghni durch Sicherheitskräfte protestiert und zu einem Generalstreik am Morgen desselben Tages aufruft.

20. Mai 2000: La Tribune berichtet über mehrere Massaker in der Region Mascara, die den Tod von 12 Personen verursacht haben. Zwei Frauen wurden entführt, eine davon wurde am nächsten Tag tot aufgefunden.

22. Mai 2000: Liberté berichtet, daß zwei Milizionäre in Tircin, Kommune Balloul, betrunken in das Haus einer Familie eindrangen und drei Personen töteten, darunter zwei Frauen und ein Jugendlichen.

24. Mai 2000: Le Matin berichtet, daß drei Wächter einer Baustelle in Berrouaghia in der Nacht vom 22. Zum 23. Mai ermordet wurden.

25. Mai 2000: Liberté berichtet, daß Mitglieder der GSPC (Groupe Salafiste pour la Prédication et le Combat) in einem Hinterhalt bei Tablat (ca. 60 Km von Algier) sieben Soldaten töteten und drei weitere verletzten.

27. Mai 2000: Liberté berichtet, daß in der Region Relizane, bei Remka in einem Hinterhalt 12 Angreifer ein Auto unter Beschuß nahmen und drei Personen töteten und eine verletzten. Zwei der Toten waren Milizionäre.

28. Mai 2000: AFP berichtet, daß fünf Mitglieder einer Familie in der Nacht zuvor in Tibéhirine (Médéa, 90 km von Algier) ermordet wurden. Die Anschläge in dieser Region haben in den letzten Wochen sehr zugenommen.

30. Mai 2000: Le Quotidien d'Oran berichtet, daß eine Bombe in einem Zug von Algier nach Blida sieben Personen verletzte.

31. Mai 2000: Le Jeune Indépendant berichtet, daß der zweite Vize-präsident der Kommunalbehörde von Bouira einem Anschlag erlag.

1. Juni 2000: Reuters berichtet, daß 10 Islamisten in ihrem Versteck in den Bergen im Osten Algiers von Militärs getötet wurden.

1. Juni 2000: Le Quotidien d'Oran berichtet, daß das Hotel Iguider, 15 km von Boghni entfernt, von etwa 80 Angreifern in Militäruniform angegriffen wurde. Sie stahlen Decken und Nahrungsmittel, raubten die Besucher aus und legten Feuer.

1. Juni 2000: Liberté berichtet, daß eine bewaffnete Gruppe in der Nacht vom 29. Mai das Haus einer Familie bei Remka (Relizane) stürmte, vier Mitglieder tötete und zwei Frauen entführte.

4. Juni 2000: Liberté berichtet, daß am 1. Juni sieben Personen in Hassi Ben Okba, 10 km von Oran entfernt von einer bewaffneten Gruppe ermordet wurden. Ein Tag später haben sie bei einer falschen Straßensperre zwei Insassen eines Taxis kaltblütig erschossen.

7. Juni 2000: Liberté berichtet, daß vier Kommunalgarden in Tarik Ibn Ziad (80 Km von Ain Defla) in einem Hinterhalt ums Leben kamen.

22. Juni 2000: El Watan berichtet, daß acht junge Männer in Mouzaia (Region von Blida) ermordet aufgefunden wurden. Vier waren verstümmelt.

27. Juni 2000: El Watan berichtet, daß in der Nacht vom 25. zum 26. eine bewaffnete Gruppe ein Auto in der Nähe von Attatba (Blida) angehalten und drei Insassen ermordet hat.

3. Juli 2000: Le Matin berichtet, daß in Bou Arfa (Blida) die Familie Habache vier Mitglieder verlor. Eine in Militäruniformen gekleidete Gruppe von Angreifern feuerte auf Personen, die sich draußen aufhielten.

5. Juli 2000: Le Matin berichtet, daß in der Nacht vom 3. zum 4. eine bewaffnete Gruppe ein Dorf 3 km von Boufarik angegriffen hat. Sechs Personen wurden die Kehle durchgeschnitten, darunter einer Frau.

5. Juli 2000: El Watan berichtet, daß zwei Polizisten in Tebessa, im Osten des Landes ermordet wurden.

8. Juli 2000: El Watan zieht eine Bilanz der vergangenen Woche: ca. 40 Personen sind in verschiedenen Regionen des Landes ermordet worden. Am 6. Juli wurden 5 Personen am Rande von El Khemis ermordet. Am 4. Juli waren 9 Personen in Bekhoucha, Ain Tagourait (Tipaza) die Kehle durchgeschnitten worden. In derselben Nacht wurden sechs Personen bei Chrea getötet und in Ramka (Relizane) griff eine Gruppe zwei Familien an, elf Personen starben.

8. Juli 2000: Le Matin berichtet von der Ermordung von 5 Personen in einem Erholungsort in der Nähe von Khemis-Miliana. Die Angreifer trugen Uniformen der mobilen Einheit der Polizei.

8. Juli 2000: Le Matin berichtet, daß das Dorf Ghris, Ain Arwa (Setif) von einer bewaffneten Gruppe angegriffen wurde. Ein junger Mann wurde entführt und am nächsten Tag tot aufgefunden.

9. Juli 2000: Le Matin berichtet, daß in Keddara, 30 km von Boumerdes entfernt zwei Bombenanschläge vier Mitgliedern der Sicherheitsdienste das Leben kosteten. Zwei weitere wurden verletzt.

15. Juli 2000: Le Matin berichtet, daß an einer falschen Sperre in Souk el Had am 11. Juli vier Menschen die Kehlen durchgeschnitten und fünf weitere entführt wurde. Am 13. Juli wurde in Zemmouri, 12 km von Boumerdes entfernt, eine Polizeipatrouille angegriffen. Zwei Polizisten starben und einer wurde verletzt.

16. Juli 2000: Le Matin berichtet, daß in Skikda drei Gendarmen und ein Milizionär in Tamanart (Collo) von einer bewaffneten Gruppe ermordet wurden.

14. Juli 2000: Le Monde berichtet, daß in der Nacht vom 11. zum 12. Juli sechs Camper auf einem Strand in der Nähe von Tipaza ermordet wurden. (Aus verschiedenen Quellen erhielt algeria-watch die Information, die Opfer seien Ex-Mitglieder der AIS). Le Monde berichtet weiter, daß zwischen dem 13. Januar (Ablauf der Frist für Reuemütige) und dem 14. Juli etwa 1300 Tote zu verzeichnen sind. Am 9. Juli sind 26 Menschen bei verschiedenen Anschlägen ums Leben gekommen, am 11. Juli sind sieben Soldaten an der Tunesischen Grenze ermordet worden.

17. Juli 2000: El Watan berichtet, daß acht Militärs in einem von einer bewaffneten Gruppe gelegten Hinterhalt in der Nähe von Collo ums Leben gekommen sind. Es hätte sich auch hier um die GSPC gehandelt

18. Juli 2000: El Watan: Neun Personen sind an einer falschen Straßensperre in Hadjout in der Nacht des 16. ermordet worden. Auch hier hätten die Angreifer Militäruniformen getragen und mehrere Autos angegriffen.

19. Juli 2000: La Tribune, eine Familie bestehend aus 5 Personen ist in Hamdania in der Nähe von Chiffa ermordet worden. Eine Gruppe hat an dem Ort versucht, in mehrere Häuser einzudringen.

22. Juli 2000: Le Matin berichtet von einem Angriff in Medea, im Viertel Merdj Echekir in der Nacht des 19. Juli auf ein Haus in dem die Familie ermordet wurde.

22. Juli 2000: Liberté berichtet über den Tod eines jungen Paares auf dem Weg zu einem Hotel nach ihrer Hochzeitsfeier an einer falschen Straßensperre bei Larbaa.

23. Juli 2000: El Watan berichtet, daß fünf Personen an einer falschen Straßensperre in Oggaz (Mascara) von einer bewaffneten Gruppe ermordet wurden.

23. Juli 2000: El Watan berichtet, daß etwa 30 Mitglieder der bewaffneten Gruppe GSPC von kombinierten Sicherheitskräften getötet wurden.

24. Juli 2000: Liberté berichtet, daß ein Sabotageakt bei der Firma Génie-Sider bei Boumerdes von der GSPC in der Nacht des 21. verübt wurde.

27. Juli 2000: El Watan berichtet, daß auf die Pipeline von Hassi R'mel in Richtung Algier am Tag zuvor in der Höhe von El Khemis (Ain Defla) ein Bombenanschlag verübt wurde. Die Gasversorgung wurde für mehrere Stunden für etwa 7000 Haushalte unterbrochen.

29. Juli 2000: La Tribune berichtet, daß an den Toren von Tiaret am 27. eine Familie von Nomaden, die ihr Zelt dort aufgeschlagen hatte von einer bewaffneten Gruppe angegriffen wurde. Acht Personen wurden ermordet und sechs schwer verletzt, darunter auch mehrere Kinder. Eine Frau wurde entführt. In Tiaret sind im Juli etwa 15 Personen ermordet worden.

30. Juli 2000: Le Matin berichtet, daß ein Autopark der Kommuneverwaltung in Beni-Amrane (Boumerdes) am Vortag Ziel eines Anschlages war.

30. Juli 2000: AFP berichtet, daß eine Frau und ihre zwei Kinder am 29. an einer falschen Straßensperre auf der Straße von Oued El Alleug, in der Nähe von Blida ermordet wurden.

31. Juli 2000: AFP meldet, daß der Monat Juli der blutigste seit Bouteflikas Amtsantritt und der Verabschiedung des Gesetzes der "concorde civile" war: Etwa 300 Personen kamen bei Massakern und Bombenanschlägen ums Leben. Es gibt keine offiziellen Verlautbarungen über diese Morde. Algier wird durch einen strengen, aber diskreten Sicherheitsring von diesen Massakern verschont.

 

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