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Apropos Terrorismus...

Zeugenaussage eines Polizeioffiziers

Kamel B.

(algeria-watch erhielt das Zeugnis eines Polizeioffiziers, der in Europa Asyl beantragte. Das mündliche Zeugnis, das auf einer Tonkassette aufgezeichnet wurde, legt algeria-watch hier in schriftlicher Form nieder.)

1997 habe ich Algerien verlassen. Ich hatte gute Gründe, dies zu tun. Ich werde versuchen, eine Vorstellung über die Situation, in der ich in all den letzten Jahren gelebt habe, zu vermitteln.

Ich bin Polizist. Ich habe nach dem Militärdienst 1987 die Polizeischule von Belcourt (Algier) besucht. Ich habe in Chateauneuf in der CCRB (Centrale contre Répression Banditisme) gearbeitet. Ich war Polizeioffizier.

Die Polizei arbeitet nicht mit dem militärischen Geheimdienst zusammen, und es besteht sogar ein Kooperationsproblem. Die Armee und insbesondere ihre Geheimdienste beherrschen alles und benutzen uns oft in ihren subversiven Methoden des Kampfes gegen den Terrorismus.

Bevor ich einige der Ereignisse wiedergebe, die ich erlebt habe und die mich zu der Erkenntnis geführt haben, daß die Polizei-, Militär- und Justizapparate korrumpiert sind und ausschließlich als Repressionsinstrumente dunklen Kräften dienen, die die Reichtümer des Landes verzehren, werde ich versuchen, unseren Tagesablauf darzustellen, der nur sehr wenig bekannt ist. Unsere Arbeit in der CCRB ist zugleich von Routine und extremer Gefahr geprägt. Wir patrouillieren in Sektoren, nehmen Festnahmen von Verdächtigen vor, stehen zur Stelle bei Notrufen und sind vor allem in bewaffnete Auseinandersetzungen mit Gruppen verwickelt. Wir haben in allen sogenannten heißen Vierteln Durchkämmungsoperationen durchgeführt: Badjarah, Leveilley, Jolie Vue, Oued Chayeh, etc. Wir schlafen am Arbeitsplatz, da wir bedroht sind.

Ein Punkt muß im Zusammenhang mit den Durchkämmungsoperationen kombinierter Kräfte hervorgehoben werden: Wenn es zu Ermordungen von Zivilisten kommt, wird lange Zeit nichts unternommen. Ganz im Gegenteil, die Verantwortlichen der Informationsdienste der Polizei lassen die Lage sich so lange verschlechtern, bis es nicht mehr zu verantworten ist. Wenn entweder zu viele Tote zu verzeichnen sind oder zu viel über Massaker und Tote gesprochen wird, entscheidet die Polizei, aktiv zu werden und wenigstens einen Bericht zu verfassen, oder aber politische Faktoren machen ein Handeln notwendig: der bürokratische Apparat wird in Bewegung gesetzt, und die Verantwortlichen der Polizei wenden sich an das Innenministerium, um eine Durchkämmungsoperation durchzuführen. Sie ersuchen die Unterstützung der Armee mit dem Argument, die Polizei verfüge nicht über ausreichende Kräfte, um ein Viertel zu umzingeln, oder eine gefährliche bewaffnete Gruppe würde an einem bestimmten Ort wüten. Ab dem Moment, an dem die Armee sich einmischt, ist sie diejenige, die den verantwortlichen Polizisten für die Operation ernennt und die Befehle erteilt, allerdings auf diskrete Art. Die Angehörigen der Polizeieinheiten erkennen nicht, daß in Wirklichkeit die Armee die Dinge in die Hand nimmt.

Wenn schließlich eine Durchkämmungsoperation kombinierter Kräfte beschlossen wird, blockiert die Armee die Zufahrtsstraßen und kontrolliert die strategisch wichtigen Punkte des Viertels: hohe Gebäude und manche Privathäuser. Wir haben Listen von Verdächtigen, und mit der Hilfe der Polizisten der Kommune, die das Viertel kennen, nehmen wir die Festnahmen vor. Das Ziel solcher Operationen ist die Festnahme der von der Justiz gesuchten Terroristen und die Durchsuchungen von Wohnungen nach Waffen und Propagandamaterial.

Die gesuchten Personen unter den Verhafteten schicken wir zu den jeweiligen Diensten, die nach ihnen gefahndet haben, und wir wissen nicht, was mit diesen Personen geschieht. Werden sie gefoltert, getötet, inhaftiert, werden sie vor Gericht gestellt?

Es ist sicher, daß in jeder Militärregion geheime Haftzentren eingerichtet worden sind, die ausschließlich den Agenten des militärischen Geheimdienstes der Region bekannt sind. Ich kenne sie nicht, aber den Unterlagen nach zu urteilen, die ich gesehen habe, muß in Reggane ein solches Zentrum sein.

Wir haben von einer großen Zahl von "Verschwundenen" gehört, manche sollen umgebracht und in Massengräbern begraben wordensein, andere wurden ins Meer geworfen. Ich kann dies nicht bestätigen, ich habe davon von anderen Sicherheitskräften gehört. Nur diejenigen, die für die DRS (Direction des Renseignements et de la Sécurité) und für die DGPS (Direction Générale de Prévention et de Sécurité) arbeiten, sind darüber informiert.

Ein weiterer Punkt, den ich gerne hervorheben möchte, betrifft die Ausbildung der Polizeikräfte im Kampf gegen den Terorismus. Man könnte glauben, daß ein besonderes Training vorgesehen ist, Weiterbildungen und Kurse angeboten werden, um auf den Kampf mit dem Feind vorbereitet zu sein. In Wirklichkeit wurden die Rekrutierungen der Kräfte der PCO (Police Contre Organisation Terroriste) unter den Polizisten vorgenommen, die vorher für den Verkehr zuständig waren. Sie konnten nicht mit Waffen umgehen und mußten manchmal diese Arbeit verrichten, ohne zu wissen, was sie erwartet. Diejenigen, die wirklich gut ausgebildet werden, sind in der Armee.

Die Repression von 1988

Im Oktober 1988 war ich schon an der Repression des Aufstandes beteiligt. Die Jugendlichen waren auf die Straße gegangen und hatten gegen das Regime demonstriert und mehr politische Partizipation und soziale Gerechtigkeit gefordert. Zu diesem Zeitpunkt erhielten wir die Befehle vom Divisionskommissar El Hadj Sadok, der uns erklärte, diese jungen Männer seien von ausländischen Mächten manipuliert (vor allem Deutschland und Marokko), um die algerische Regierung zu destabilisieren. Damals habe ich geglaubt, wir würden für das Wohl des Landes agieren; erst später verstand ich, daß wir schmutzige Arbeit im Interesse von Individuen verrichteten.

Wir haben sehr viele Festnahmen vorgenommen und die Personen zur Distriktpolizei gebracht, von da aus zur Marinekaserne an der Pérouse, zur Kaserne der Nationalgarde LIDO und zum Lager der Fallschirmjäger. Angehörige der Sécurité Militaire begaben sich an diese Orte, um die Festgenommenen zu foltern. Ich kann nur mit Mühe erzählen, welche Folterungen sie erlitten haben.

Am 12. Oktober 1988, während einer Demonstration, habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie Männer, die in einem Passat fuhren, gleichzeitig auf Demonstranten und Polizisten schossen. Es waren Agenten der SM, die beide Gruppen gegeneinander aufbringen wollten. Nach einer Auseinandersetzung zwischen Polizisten und Insassen des Wagens in Bab-el-Oued haben wir diese schließlich festnehmen können. Sie trugen Kalaschnikows. Ich war beauftragt worden, die Herkunft dieser Waffen zu ermitteln. Ich habe mich zur Waffensektion der Distriktpolizei begeben, und als ich im Karteikasten nachsah, stellte ich mit großem Erstaunen fest, daß die Waffen, die diese Männer trugen, aus der Militärkaserne von Boudouaou stammten, die 1982 angegriffen worden war, und damals war berichtet worden, die bewaffnete Gruppe von Bouyali (1) sei dafür verantwortlich.

Unsere Sektion der Identité judiciaire hat ungeachtet des Drucks eine mutige Ermittlungsarbeit geleistet und ist zu der Erkenntnis gelangt, daß die Provokateure, die wir festgenommen hatten, Mitglieder der ANP (Armée Nationale Populaire) waren und für die SM unter dem Befehl des General Lakhal Ayad arbeiteten. So verstanden wir, daß der Angriff auf die Kaserne 1982 ebenfalls von der SM organisiert worden war und daß 1988 die SM erneut sich in die Geschehnisse einmischte, um Mißtrauen und Haß zwischen dem Volk und der Polizei zu schüren.

Die sogenannte demokratische Periode

Auf die Unruhen von Oktober 1988 folgte ein Demokratisierungsprozeß, der die Zulassung von politischen Parteien und die Presse- und Versammlungsfreiheit verfassungsrechtlich verankerte. Die FIS (Front Islamique du Salut) entstand, und sehr schnell erhielt sie die Mehrheit der Kommunalverwaltungen. 1991, am Vorabend der Parlamentswahlen, rief die FIS zu einem Generalstreik auf, um vorgezogene Präsidentschaftswahlen zu fordern. Obwohl die Versammlungen vom Innenministerium genehmigt worden waren, sind die Sicherheitskräfte gewaltsam gegen die Demonstranten vorgegangen. Ich war an Ort und Stelle, als der Befehl erteilt wurde, auf die Menge zu schießen.

Angehörige der Informationsdienste des Polizeihauptquartiers Algier begaben sich zum Krankenhaus, um Verletzte zu entführen. Sie unterstanden dem Befehl des Offiziers Tounsi. Sie haben die Verletzten in Militärkasernen gebracht, um sie zu foltern. Ich glaube nicht, daß diese Personen freigelassen wurden. Sie werden sicherlich als "Verschwundene" registriert sein. Die Ärzte können dies bezeugen, sie müssen es bezeugen.

Im Zuge der Zerschlagung des Generalstreiks wurde Premierminister Mouloud Hamrouche abgesetzt und zwei Führer der FIS, Abassi Madani und Ali Benhadj, festgenommen. Später wurden die Parlamentswahlen für den 26. Dezember 1991 angekündigt. Nach dem ersten Wahlgang galt der Sieg der FIS als sicher. Dies durfte aber nicht geschehen und deshalb wurde ein Staatsstreich organisiert. Der hohe Staatsrat, der, obwohl nicht von der Verfassung vorgesehen, die Staatsgeschäfte leitete, wurde in Wirklichkeit von General Khaled Nezzar dirigiert. Er ist auch derjenige, der die Festnahme von Personen befohlen hat, wie z.B. Abdelkader Hachani, der nach der Inhaftierung der beiden Vorsitzenden der FIS die Leitung übernommen hatte.

Der Anfang des staatlichen und des islamistischen Terrorismus

Nach dem Staatsstreich vergingen fünf Monate, in denen die Übergriffe der Polizei und der SM erschreckende Ausmaße annahmen: willkürliche Massenfestnahmen, systematische Folter, usw. Militärs in Polizeiuniformen erledigten diese Verhaftungen. Hunderte, Tausende wurden festgenommen, viele wurden in Lager in der Wüste verschleppt. Auch viele Frauen wurden verhaftet, die in speziell für Frauen eingerichtete Zentren gebracht wurden. Da diese Dinge im Zusammenhang mit dem Terrorismus standen, konnten wir das Schicksal dieser Personen nicht verfolgen.

Am 26. August 1992 fand ein Attentat am Flughafen in Algier statt. Neun Personen starben. Ich gehörte zu der Gruppe, die diesen Anschlag untersuchen sollte. Allerdings kamen wir nicht sehr weit mit unseren Ermittlungen, da nach 24 Stunden diese Angelegenheit von der politischen Sektion als "terroristische Aktion" bezeichnet und für abgeschlossen erklärt wurde. Ich frage mich, warum der Flughafen nicht evakuiert worden ist, nachdem in einem telefonischen Anruf bekanntgegeben worden war, daß 10 Minuten später eine Bombe explodieren würde. Ich frage mich auch, wo sich die Aufnahme dieses Telefongespräches befindet und wo der Polizist geblieben ist, der dieses Gespräch gehört hat. Niemand weiß, was aus diesen Beweisstücken geworden ist. (2)

Als die GIA (Groupes Islamiques Armés) mit den Ermordungen von Sicherheitskräften begannen, wurden täglich zwischen 50 und 100 Polizisten liquidiert. Dies hat die psychische Verfassung der Sicherheitskräfte sehr beeinträchtigt. Aber wir, wir fragten uns immer: wer sind diese GIA, wer gibt ihnen das nötige Geld und vor allem die Informationen, die es ihnen erlauben, sich überall frei zu bewegen?

Wie kann der Umstand erklärt werden, daß Polizisten ermordet werden, die zwei oder drei Monate lang nicht nach Hause gegangen sind? Ganz unerwartet erlaubt ihnen ihr Vorgesetzter, an einem bestimmten Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit ihren Familien einen kurzen Besuch abzustatten. Und ausgerechnet zu dieser Gelegenheit erscheint eine bewaffnete Gruppe und tötet sie. Ich bin davon überzeugt, daß, wenn nicht eine gut informierte Person diesen Gruppen die nötigen Angaben weitergeben würde, diese nicht wüßten, wann die Polizisten beabsichtigen, nach Hause zu gehen.

Ich denke, die GIA sind vom Geheimdienst geschaffen worden. Warum? Sie wissen alles über unsere Arbeit, die Pausen, die wir machen, unsere Aufträge und unseren Geheimcode. Niemals ist ein Verantwortlicher über dem Emir (Chef einer Gruppe) festgenommen worden. Während der zahlreichen bewaffneten Auseinandersetzungen, die wir mit diesen Gruppen hatten, haben wir einige Mitglieder festgenommen. Wenn wir diese Personen festsetzen, werden wir benachrichtigt, daß Spezialisten sich der Angelegenheit annehmen und wir die Ermittlungen übergeben müssen. In Wirklichkeit kommt der Befehl von der SM, und wir wissen nicht, wo sie die Personen hinführen, die wir festgenommen haben.

Polizisten sollen nichts über die GIA erfahren. Oftmals wurde uns gemeldet, daß eine Gruppe sich gerade an einem bestimmten Ort befindet, in Hydra, in der Casbah oder in Blida. Wir begeben uns dorthin, bereit, eine Auseinandersetzung zu führen, und plötzlich erscheint die Armee, die den Ort mit Raketen beschießen läßt. Es sind keine Raketen nötig, da wir meistens zwischen 50 und 70 Polizisten sind und diese Gruppen meistens nicht mehr als 7 Mitglieder zählen und leichte Waffen tragen, wie Kalachnikows. Wir können sie festnehmen, wenn sie keine Geiseln nehmen. Die Armee aber kommt und tötet alle. Warum? Damit wir keine Gefangenen machen können, die uns Informationen über ihre Befehlshaber geben könnten. Davon bin ich überzeugt.

Terroristische Operationen - von der Armee durchgeführt

Die Auseinandersetzung von Bouzrina und der Amirauté

Ende 1991, als zwei unserer Fahrzeuge ihre gewöhnlichen Rundfahrten ausführten, erhielten sie den Befehl sich in das Viertel von Bouzrina zu begeben, weil dort die Gefahr einer Gasexplosion bestünde. Als unsere Kollegen dort ankamen, empfing sie ein Kugelhagel, und alle wurden getötet, unter ihnen: Hamadouche, Ben Khedda und Mihoubi. Ihre Waffen wurden mitgenommen. Ich sollte mit Kollegen dorthin fahren, um den Ort zu untersuchen. Als wir uns auf den Weg machten, erhielten wir eine neue Anweisung, nämlich in die Casbah zu fahren, da dort sich eine terroristische Gruppe befinden sollte. Wir fuhren hin und fanden niemanden. Es war, als hätte man uns von der Schießerei von Bouzrina fernhalten wollen. Allerdings war damit die Sache nicht abgeschlossen, denn einige Tage später wurden uns die Namen der mutmaßlichen Täter übermittelt. Wir nahmen sie fest, verhörten sie und taten alles, um aus ihnen die notwendigen Informationen herauszupressen. Ich hatte den Eindruck, daß sie unschuldig waren. Es waren Sympathisanten der FIS, aber sie hatten noch nie etwas mit der Justiz zu tun gehabt. Wir haben also nichts erfahren. Aber der Geheimdienst hat die Angelegenheit an sich gerissen und uns als inkompetent bezeichnet. Wir haben allerdings die Untersuchung weitergeführt, bis wir entdeckt haben, daß in Bouzrina unsere Kollegen von Angehörigen der Marine, die in der Amirauté (Algier) stationiert sind, getötet wurden. Wir haben unsere Vorgesetzten davon informiert, und sie befahlen uns, diese Militärs abzuholen.

Als wir uns zur Amirauté begaben, wurden wir von Gewehrsalven empfangen. Die Auseinandersetzung dauerte etwa fünf Stunden. Wir mußten Verstärkung anfordern, und Angehörige der Gendarmerie rückten an, um uns zu unterstützen. Schließlich konnten wir 25 Militärs festnehmen. Wir waren während der Verhöre anwesend. Sie gestanden, daß sie den Befehl, den Anschlag von Bouzrina zu verüben, vom Geheimdienst erhalten hatten. Sie wurden dem Militärstaatsanwalt vorgeführt und vom Gericht zum Tode verurteilt. Sie wurden im Fernsehen vorgeführt und als Sympathisanten der FIS präsentiert. In Wirklichkeit waren sie nicht inhaftiert worden, der Adjudant, der die Gruppe geleitet hatte, wurde von einem Kollegen auf dem Place des Martyrs in Algier gesehen. Er bewegte sich ganz frei.

Der Anschlag von Hai el-Badr

1995 haben Militärs 15 Zivilisten in das Viertel Hai el-Badr in Kouba (Algier) auf der Höhe der Polizeistation in der Nähe des Krankenhauses geführt und getötet: 10 Männer, 3 Frauen und 2 Jugendliche. Am frühen Morgen erhielten wir die Anweisung, dorthin zu fahren und den Fall aufzuklären. Es hieß, es hätte ein von einer terroristischen Gruppe ausgeführtes Massaker stattgefunden. Ich habe mit meinen eigenen Augen die von Kugeln zerfetzten Körper auf dem Boden liegen gesehen. Ich habe die Zentrale angerufen, damit sie Spezialisten der Spurensuche schicken, die die Leichen photographieren sollten. Wir haben die ersten Schritte vorgenommen, um die Untersuchung einzuleiten: dieses Massaker hatte in 50 m Entfernung von der Polizeistation des 23. Arrondissement stattgefunden. Warum hatten die Polizisten nicht eingegriffen? Der Verantwortliche dieses Kommissariats ist Kommissar Hamaras.

Ich habe den Offizier aufgesucht, der die Nachtschicht geleitet hatte, und fragte ihn, warum sie nichts unternommen hätten. Er hat mir versichert, daß sie den Befehl der Polizeizentrale erhalten hätten, an Ort und Stelle zu bleiben und nicht hinauszugehen. Man hatte ihnen nahegelegt, sich nicht zu bewegen, selbst wenn Bomben explodieren würden. Ich notierte diese Aussage und suchte nach Zeugen des Massakers. 20 m vom Ort des Massakers entfernt war eine Straßensperre. Ich fragte den Verantwortlichen, wer in der Nacht die Aufsicht gehabt hätte; er antwortete mir, daß es Angehörige der Kaserne von Kouba gewesen seien. Ich sprach mit dem Verantwortlichen dieser Kaserne, der mir mitteilte, daß alle Männer, die in der Nacht Dienst gehabt hatten, beurlaubt wurden. Ich bat ihn, die Soldaten nach ihrem Urlaub zu mir zu schicken; er lachte und sagte, sie seien versetzt worden. Ich sprach anschließend mit Kommissar Mouloud Dilam (ONRB) und dem Divisionskommissar Said, die mir beide mitteilten, daß wir keine Untersuchung einleiten sollten, da die Gendarmerie damit beauftragt worden wäre. Wir verstanden, daß dies ein Szenario der Verantwortlichen der Polizei war, um zu verbergen, daß Agenten des Geheimdienstes das Massaker verübt hatten.

Ich habe einen Zeugen gefunden, der alles gesehen hat und bereit ist, auszusagen, wenn eine ernsthafte Untersuchung vorgenommen wird. Er erzählte mir, daß er in der Nacht Geräusche von Fahrzeugen hörte und vom Fenster aus die Szene beobachtete. Die Militärfahrzeuge, braune Landrover vom Typ G5, hielten an, und Zivilisten stiegen aus, wurden an die Wand gestellt und erschossen. Die Personen riefen "Allahu Akbar", bevor sie starben. Es waren Familienmitglieder von Islamisten. Ihre Leichen wurden den Familien übergeben mit der Behauptung, sie seien von einer terroristischen Gruppe ermordet worden.

Das Massaker von Hai La Proval

Im Viertel La Proval in Kouba fand 1995 vor der Moschee ein anderes Massaker statt: Das Nachtgebet war gerade beendet und die Betenden kamen aus der Moschee, als die Polizei sie überraschte und auf sie schoß. Der Ort des Massakers befindet sich 800 m von der Polizeistation entfernt, und die Bodenarmee hat einen Posten 1200 m weit entfernt. 6 Menschen wurden getötet und drei schwer verletzt. Wir erhielten den Befehl, dorthin zu gehen, denn Terroristen hätten auf die Menschenmenge geschossen. In der Tat sahen wir Leichen auf dem Boden liegen. Wir blieben vier Stunden, bevor wir die Rettungswagen riefen, die die Opfer abtransportierten, weil wir selbst die Untersuchung durchführen wollten. Wir versuchten zu verstehen, was sich abgespielt hatte, und befragten die Anwohner. Sie waren verängstigt und wollten uns nichts sagen. Ich werde nie den Augenblick vergessen, an dem ich einen alten Mann weinen sah. Er lehnte meine Hilfe ab, als er meine Polizeiuniform sah und sagte zu mir: "Ihr habt sie getötet!" Ich stieg in das Auto ein, um mich von dem Ort zu entfernen, aber die Worte des Alten ließen mich nicht los. Sicherheitskräfte sind da, um die Bürger zu schützen und nicht um Verbrechen zu begehen!

Wir sind an den Ort des Geschehens zurückgekehrt, dieses Mal in Zivil gekleidet, um nach Zeugen zu suchen. Es war nicht einfach, aber schließlich haben wir einen alten Mann gefunden, der uns über das Massaker berichtete. Polizeifahrzeuge waren vor der Moschee stationiert, und die Sicherheitskräfte haben auf die hinausgehenden Männer geschossen. Die Verantwortlichen waren Angehörige des Kommissariats des 14. Arrondissement, in Hussein-Dey. Ihre Namen sind: Derradji, Mouhmouh, Saad und Azzedine vom 23. Arrondissement. Sie sind dafür bekannt, oft gefoltert und getötet zu haben. Wir haben unsere Vorgesetzten benachrichtigt, damit Spezialkräfte sie festnehmen. Doch der Chef der Polizei behauptete, diese Polizisten seien loyal und würden nicht solche Verbrechen verüben. Ich nannte ihm das Beispiel einer einfachen Familie mit Namen Timsi, die keiner politischen Aktivität nachging und deren Familienvater bei der Polizei von Hussein-Dey gezwungen wurde, ein Protokoll zu unterzeichnen, in dem behauptet wird, der Sohn sei ein Terrorist (Der Kommissar Abd el Malek drohte ihm, indem er ihn daran erinnerte, daß er noch andere Kinder hat). Zuerst hatte er abgelehnt, nach zwei Tagen jedoch unterzeichnete er das Protokoll.

Der Fall Stambouli und El-Andalousi und seine Folgen

Ein Kollege und Freund von mir, der mittlerweile ermordet wurde, war verantwortlich für die Tötung dieser beiden Mitglieder der Organisation Hijra wa Tekfir, eine der gefährlichsten bewaffneten Gruppen. Um die Ereignisse zu schildern, muß ich etwas zurückgehen, ins Jahr 1989, in dem mein Freund und ich zusammenarbeiteten und diese beiden Männer als Mitglieder einer kriminellen Bande festgenommen hatten. Sie waren im illegalen Besitz von Waffen und der subversiven Agitation gegen den Staat verdächtig. Als wir sie verhörten, gestanden sie, von Militärs unterstützt zu werden, und behaupteten, die Polizei könne nichts gegen sie unternehmen. In der Tat kannten sie viele Agenten des Geheimdienstes. Ich sah selbst, wie sie während der Verhöre mit ihnen sprachen. Wir haben sie dennoch vor Gericht bringen können, und sie wurden auch verurteilt. Um so größer war unsere Überraschung, als wir sie zwei Wochen später wieder auf freiem Fuß sahen. Mit meinem Freund Brahim bin ich zum Staatsanwalt des Gerichts El-Harrach gegangen, und wir haben von ihm eine Erklärung gefordert. Er sagte, Anweisungen "von oben" erhalten zu haben und daß wir gehen sollten.

Brahim hat schließlich diese beiden Männer in Kouba erschossen und ihnen die Waffen abgenommen. Er war unter den Terroristen bekannt, und überall wurde sein Name plakatiert, als Feind des Islam. Nichtsdestotrotz wollte er den Fall weiter verfolgen, der darüber hinaus mit einer anderen Person verbunden war: Hassan Hattab. (3) Niemand wußte, daß er mit der Affäre betraut war, außer Omar Abd Samad, Polizeichef von Algier, Mouloud Dilam, Chef der ONRB und andere Verantwortliche. Während einer Operation, die Brahim mit einem Kollegen Namens Mohamed Kbaili 1993 in Cherarba durchführte, wurde er von Hassan Hattab und seiner Gruppe, die auf ihn warteten, ermordet. Sie wußten also, wohin er sich begeben sollte und zu welcher Uhrzeit er sich dort befinden würde. Mein Freund wurde getötet, aber die Terroristen haben weder seine Waffe mitgenommen, eine Magnum, noch seine Granaten oder das Funkgerät. Ist das nicht merkwürdig? Wir denken, daß sie den Befehl erhalten hatten, ihn zu töten und nicht die Waffen zu entwenden, und dieser Befehl stammt von der Polizeizentrale. Nach seiner Beerdigung habe ich seinen Neffen gefragt, ob die Familie offiziell über die Ursache seines Todes informiert wurde. Er antwortete mir, daß sie lediglich erfahren hätten, daß Brahim während einer bewaffneten Auseinandersetzung mit Terroristen umgekommen wäre.

Einige Tage später fand eine Versammlung in der Polizeizentrale in Algier statt. Mein Chef, Mohamed Tahar Belhimer, hatte diese Unterredung vorgesehen, um über die Schwierigkeiten des Berufes und den Terrorismus zu sprechen. Wir stellten fest, daß die Verantwortlichen versuchten, uns zu kaufen. Sie boten uns ein Stück Land oder eine Wohnung an. Wir haben ihnen klar gesagt, daß wir nicht gekommen wären, um Geschenke zu bekommen, sondern um über die Probleme zu sprechen, die uns in unserer alltäglichen Arbeit begegnen.

Mohamed Makhlouf, ein Kollege, der persönlich von bewaffneten Gruppen bedroht wurde, weil er einen Paßhandel aufgedeckt hatte, der Mitgliedern dieser Gruppen den Weg ins Ausland ermöglichte, fragte während dieser Versammlung die Vorgesetzten, wie die bewaffneten Gruppen seinen Namen erhalten hätten. Die Vorgesetzten drohten ihm aber er ließ sich nicht einschüchtern. Die Sitzung wurde abgebrochen. Eine Woche später übernahm ich den Wachdienst mit ihm in der Polizeizentrale in Algier. Er sagte mir, daß er schon lange nicht mehr zu Hause gewesen wäre und daß seine Frau schwanger sei. Er hätte vor, sie am nächsten Morgen zu besuchen. Ich flehte ihn an, nicht zu gehen, aber als der Tag anbrach, ging er. Er sollte nicht mehr zurückkommen. Mitglieder der Informationsdienste der Polizei schossen auf ihn, als er nach Hause ging, in Bab el Oued. Sein Bruder hat es selbst gesehen und berichtete mir davon. Er selbst wurde mit dem Tod bedroht, falls er darüber sprechen würde.

Offiziell handelte es sich um eine Terrorismusangelegenheit: der Nachbar, ein Sympathisant der FIS wurde verdächtigt, meinen Kollegen ermordet zu haben. Die Polizei übernahm den Fall und verhaftete ihn. Er wurde zum Sitz der Strafpolizei gebracht, wo der Offizier Boudissa ihn mit einer 14mm dicken Stange bedrohte. Er sollte ein Protokoll unterzeichnen, in dem er gestand, den Polizisten getötet zu haben, was er schließlich auch tat. Ich habe selbst mit ihm gesprochen und bin davon überzeugt, daß er den Mord nicht begangen hat. Er wurde vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt. Ich glaube, daß er in der Zwischenzeit getötet wurde.

Das Massaker in Bentalha, Ronda Baraki

In den Jahren 1993-1994 fanden viele Massaker an Zivilisten statt. Ich habe selbst gesehen, wie in der Polizeizentrale, die verantwortlichen Polizisten die Massaker feierten.

Man hatte uns darüber informiert, daß eine bewaffnete Gruppe in Baraki agieren würde. Wir begaben uns dorthin und sind in eine bewaffnete Auseinandersetzung verwickelt worden. Wir haben die Mitglieder der Gruppe getötet und stellten fest, daß es sich um einen Unterleutnant der Armee und seine Gruppe handelte. Wir informierten unsere Vorgesetzten, die uns erklärten, es handele sich um eine Gruppe von Dissidenten der Armee, die sich der FIS angeschlossen hätten. Wie konnten sie sich mit Pferden bewegen, ohne gesehen und angehalten zu werden? Wie ist der Umstand zu erklären, daß während des Massakers ein Hubschrauber über dem Ort kreiste? Als wir diese Fragen stellten, erhielten wir immer nur die Antwort, es seien Mitglieder der FIS für die Tötungen verantwortlich.

Der Mord von Si Moustapha

Der Chef der Kommune Si Moustapha, Abdelaziz Labharit, verrichtet seine Arbeit auf korrekte Weise. Er verteilte Land an die Bewohner, die einen Antrag gestellt hatten, und zwar auf gerechte Art. Verantwortliche des Militärs legten ihm nahe, keine Böden mehr zu verteilen, aber er lehnte ab. Er wurde 1995 vor seinem Wohnhaus in Bordj M'naeil ermordet. Offiziell hieß es, eine terroristische Gruppe habe ihn liquidiert. Ich habe mit einem seiner Verwandten gesprochen, der mir versicherte, daß er mit anderen Zeugen zusammen gesehen habe, wie Militärs ihn getötet hätten. Sie hatten seine Waffe nicht mitgenommen. Agenten des Geheimdienstes haben ihn getötet, dann haben Polizisten den Tod festgestellt.

Der Polizeioffizier Amrane Boudjemaa

Dieser Offizier war in das Kommissariat von Hydra (Algier) versetzt worden und hatte dort recht schreckliche Methoden eingeführt. Er ließ Verdächtige festnehmen, ohne daß Ermittlungen eingeleitet wurden. Nachts kamen Angehörige der DRS von General Toufik zum Kommissariat und transportierten die Verdächtigen im Kofferraum der Autos weg. Sie wurden an unbekannte Orte gebracht, aus dem Kofferraum geholt und ihnen wurde gesagt: "Renn!", und dann wurden sie erschossen. Später wurde behauptet, eine terroristische Gruppe hätte sie umgebracht oder sie seien auf der Flucht erschossen worden.

Wie aus Kriminellen Terroristen gemacht werden

Es gehörte zu unserem Beruf, uns mit kriminalfällen zu befassen. In diesem Rahmen hatten wir Verdächtige festgenommen und eingesperrt. Regelmäßig erschienen Agenten des Geheimdienstes in der Nacht, um sie abzuholen. Sie behaupteten, diese Menschen seien in terroristische Aktionen verwickelt gewesen. Machmal haben wir abgelehnt, daß sie sie mitnehmen und uns mit unseren Vorgesetzten in Verbindung gesetzt. Diese sagten uns immer: "Mach was du willst, aber ich will nichts mit der Armee zu tun haben!" Also konnten wir nichts anderes tun, als ihnen diese Menschen zu übergeben. Wir fragten uns regelmäßig, was wohl mit ihnen passiert ist, wenn wir am nächsten Tag erfuhren, daß ihre Leichen gefunden wurden.

Wenn die Agenten des Geheimdienstes die Verdächtigen abholten, zeigten sie uns keine Transferpapiere. Wenn wir danach fragten, zeigten sie uns Papiere von der DRS mit fiktiven Namen. Woher ich das weiß? Ich habe einige der Namen notiert und in der Personenkartei nachgeprüft, wer sie sind. Sie sind nicht als Offiziere der DRS bekannt. Als ich den Chef der Polizei davon informierte, sagte er mir, er könne nichts gegen die Armee unternehmen, sie hätte die Macht und er könne bloß Befehle ausführen.

Der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen brachte

Ich kann über zahlreiche undurchsichtige Affären sprechen, in denen die Polizei und die Armee verwickelt sind. 1995 habe ich sogar einen Bericht verfaßt, den ich meinem Vorgesetzten überreichte. Darin führte ich unzählige Mängel der Polizei auf: Polizisten terrorisieren die Bevölkerung und bestehlen Zivilisten. Manchmal nehmen sie Drogen, bevor sie eine Durchkämmungsoperation durchführen. Alle Männer werden aus den Häusern geholt, sie müssen sich niederknien und werden geschlagen, ihnen wird der Bart verbrannt, ob sie alt oder jung sind.

Wenn man die Zellen der Kommissariate und der Gendarmerie in Bab Ezzouar, Leveilley, Bourouba, Badjarah, Chateauneuf, Bab el Oued, Antar oder Beni-Messous besucht, kann man nur über die systematische Anwendung der Folter und den Zustand, in dem die Gefangenen sich befinden, geschockt sein. Sie haben nichts Menschliches mehr. Es gibt Angehörige des Sicherheitskräfte, die diesen Zustand nicht akzeptieren, andere foltern, auch wenn ihnen der Befehl nicht erteilt wurde.

1997, während einer gewöhnlichen Patrouille, bekamen wir die Information, daß eine bewaffnete Gruppe auf Menschen geschossen hätte und mit einem Auto auf der Flucht sei, auf der Autobahn in Richtung Ben Aknoun. Wir begaben uns dorthin, und als wir aus dem Tunnel fuhren, sahen wir das graue Auto des Typs Peugeot 205 mit einem Schweizer Nummernschild. Wir gaben die Nummer an die Zentrale weiter, die uns befahl, die Verfolgung abzubrechen, da das Auto den Sicherheitskräften gehören würde. Wir sind langsamer gefahren und konnten beobachten, daß das Auto in die Kaserne Antar fuhr.

Wir kehrten zurück, und nachdem wir den genauen Platz des Massakers in Erfahrung gebracht hatten, fuhren wir zum Eingang von Baraki (Belghazi). Es lagen dort 6 Tote. Wir riefen den Chef der Polizei an, der uns nicht zuhörte. Er wiederholte immer: "Ich will nichts mit der Armee zu tun haben." Schließlich habe ich eine Unterredung mit dem Chef der Polizei gehabt. Ich sagte ihm, wir hätten eine bestimmte Pflicht gegenüber der Gesellschaft zu erfüllen, und wenn es nicht möglich sei, unsere Aufgabe auszuführen, dann wollte ich meine Berufskarte und Waffe zurückgeben. Er drohte mir, indem er sagte, ich würde diese Entscheidung teuer bezahlen. Ich ging hinaus. Der Büroleiter des Polizeichefs riet mir, nicht nach Hause zu gehen. Ich rief einen Freund an, der alleine lebte, und versteckte mich bei ihm. Ich sprach mit Kollegen, die in der Terrorismusbekämpfung tätig waren; sie halfen mir die nötigen Papiere zu besorgen und mit meiner Familie das Land zu verlassen. Sie begleiteten mich bis zum Flugzeug.

Was mich schließlich zwang mein Land zu verlassen, war die Summe dieser Erfahrungen. Ich hatte nicht nur das Gefühl, meinen Beruf nicht ausüben zu können, sondern ich war immer mehr von der Tatsache überzeugt, daß ich mit einem "Feind" konfrontiert war, der ein anderer war, als der, den man uns präsentierte: der Terrorismus ist nicht nur Sache der islamistischen Gruppen, sondern wurde spätestens seit 1988 geplant und praktiziert vom Geheimdienst der Armee, den wir Sécurité Militaire nennen. Dieser Terrorismus macht vor nichts halt, weder vor dem Alter oder dem Geschlecht noch vor der sozialen Schicht oder dem Beruf. Jahrelang lebte ich in der Illusion, für mein Land zu arbeiten, und schließlich entdeckte ich, daß ich in Wirklichkeit für Personen, für private Interessen arbeitete, für manche Potentaten des Regimes, die bereit waren, alles zu opfern, um an der Macht zu bleiben. Ich lehne es ab, in diesem Spiel weiterhin mitzuwirken, und ich warte geduldig ab, daß die Lage in Algerien sich ändert, daß eine wirkliche Demokratie eingerichtet wird, in der sich Politiker und Militärs endlich in den Dienst des Volkes stellen.

 

1 Ende der 70er Jahre hatte die MIA (Mouvement Islamique Armé) den bewaffneten Kampf begonnen. 1987 wurde ihr Anführer Bouyali von Sicherheitskräften getötet, und die Gruppe verschwand.

2 Anmerkung von algeria-watch: Es sind Parteifunktionäre der FIS dafür verantwortlich gemacht worden, die unter extremer Folter die Tat gestanden haben und in skandalösen Prozessen zum Tode verurteilt worden sind. Siehe in dieser Infomappe, S. 18, Reiner Wandler, Vom Unterricht ins Gefängnis, TAZ, 6. Oktober 1999. Es wird darin über einen angeblichen Mitverantwortlichen des Flughafenattentats, der zu sieben Jahren Haft verurteilt wurde und soeben freikam berichtet. Siehe auch: Initiative gegen Abschiebehaft: Algerien, Staatliche Gewalt und Repression in Algerien - Situation algerischer Flüchtlinge in Deutschland, Pro Asyl, Frankfurt 1996, S. 38f. und 59f.

3 Hassan Hattab ist der Anführer einer bewaffneten Gruppe, der bis heute agiert.

 

Infomappe 10

 

 

   
www.algeria-watch.org