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Besuch nach Algerien endet im Gefängnis

algeria-watch, Januar 2001

Wie die Tageszeitung Le Monde vom 5. Dezember 2000 berichtete, wird Mohamed Bilem, ein Franzose algerischer Herkunft, von der algerischen Justiz beschuldigt, an einem Anschlag beteiligt gewesen zu sein.
Der 34-Jährige, der in Frankreich geboren ist und lebt, reiste am 11. Oktober 2000 mit seiner Mutter und einem Bruder nach Algerien. Gleich bei seiner Ankunft wurde er festgenommen. Zuerst wurde er beschuldigt, an einem Anschlag am 27. Oktober 1994 beteiligt gewesen zu sein. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich nachweislich in Spanien. Von März 1994 bis August 1996 saß er wegen Cannabis-Schmuggel eine Strafe im Gefängnis ab.
Trotz Akteneinsicht läßt das algerische Gericht ihn nicht frei, denn er wird mittlerweile beschuldigt, am 24 April 1993 am Anschlag auf den General in Ruhestand Kamel Abderrahim beteiligt gewesen zu sein.
Sein erstes Visum für Algerien wurde im Juni 2000 ausgestellt, und seine erste Reise nach Algerien fand im Juli des selben Jahres statt. Während dieses ersten Aufenthaltes in Algerien wurde er nicht belangt.
Die Beschuldigung, an diesem Anschlag beteiligt gewesen zu sein, basiert ausschließlich auf einem unscharfen Foto, das vor 17 Jahren gemacht worden war. Damals besuchte Omar Chergui, ein Vetter Birems, die Großmutter in Frankreich, und bei dieser Gelegenheit ließen sich die beiden Ju-gendlichen ablichten.
Omar Chergui wurde später Mitglied der FIS und ging in den Untergrund. Er wurde verdächtigt, an mehreren Anschlägen teilgenommen zu haben. Im Rahmen einer Hausdurchsuchung wurde bei ihm dieses Foto entdeckt. Er selbst wurde auf der Grundlage des Gesetzes zur "zivilen Eintracht" freigesprochen. Er hat in einer gerichtlichen Aussage seinen Vetter Bilem entlastet, und dennoch sitzt dieser weiterhin in Untersuchungshaft. Die Anschuldigung basiert allein auf dem Umstand, daß Zeugen des Anschlages auf den General sowie das Opfer selbst glauben, ihn auf diesem Foto wiederzuerkennen.
Die Verteidigung vermutet, daß Bilem der ideale Verdächtige ist, um die Akte mühelos zu schließen und nicht weiter nach Verantwortlichen zu fragen.

 
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