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Der Prozeß von Serkadji

Algeria-Watch, Infomappe 16, April 2001

Am 3. April endete der 10-tägige Prozeß von Serkadji, der in die Berufung gegangen war. Eine Todesstrafe wurde in lebenslängliche Haft umgewandelt, und 15 Männer wurden freigesprochen. Am 22. Februar 1995 hatten Sicherheitskräfte im Gefängnis von Serkadji (Algier) eingegriffen, um eine Häftlingsrevolte zu beenden. Diese Intervention führte zu einem Blutbad, in dem mindestens 100 Menschen zu Tode kamen (darunter vier Wärter). Die Umstände der Auslösung der "Revolte" wie des Massakers sind bis heute ungeklärt. Auch ist die offizielle Begründung, es habe sich um einen Fluchtversuch gehandelt, nicht bestätigt worden. Menschenrechtler vermuten, daß ein Fluchtversuch inszeniert wurde, um Dutzende von zu Tode Verurteilten, die kurz vorher in das Gefängnis verlegt worden waren, zu liquidieren. Der Prozeß, der 1998 stattgefunden hat, hat die Ursache für den Aufruhr nicht klären können. Das erneute Aufrollen in der Berufung hat keine Antwort auf die wesentlichen Fragen geliefert: Wer hat die Häftlinge aus den sicheren Zellen hinaus gelassen? Wer hat die Wärter getötet? Warum sind keine Untersuchungen nach dem Blutbad vorgenommen worden? Warum haben die Sicherheitskräfte vor Ablauf des Ultimatums auf die Gefangenen geschossen? Warum sind viele der Leichen nicht identifiziert worden und mit der Bezeichnung "X-Algérien" bestattet worden? Usw. Selbst die vor Gericht stehenden Häftlinge haben diese Fragen nicht beantwortet. Der Sohn eines getöteten Wärters sagte, sein Vater habe vor den Ereignissen versetzt werden wollen, da fremde Personen in dem Gefängnis erschienen seien und dies ihn beunruhigt hätte. (Siehe Libération 6. April, Le Quotidien d'Oran 20. März bis 4. April 2001)

 

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