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Thomas Hasel

Machtkonflikt in Algerien

Der Terror in Algerien, der von islamistischen Untergrundgruppen ausgeht, scheint unverständlich. Wie soll man für Bombenanschläge auf Kaffeehäuser und Märkte, Überfälle auf Schulen und Dörfer, die grausame Ermordung von Journalisten, Schriftstellern, Ausländern, Frauen, Alten, Kindern und sogar Säuglingen Verständnis aufbringen? Wie soll man hinter dieser Barbarei ein politisches Motiv entdecken? Auch wenn die Grausamkeit der Terrorakte den Blick auf Algerien trübt, es gibt Ursachen des Konflikts, so vielfältig sie sein mögen, es gibt Zusammenhänge, so verworren sie scheinen mögen und es gibt definierbare Täter mit bestimmten Interessen. Zwischen 100.000 und 200.000 Menschen sind in einem der blutigsten Konflikte, die in den vergangenen zehn Jahren auf der Welt stattgefunden haben, ums Leben gekommen. Die Auseinandersetzungen haben die algerische Gesellschaft zerrissen. Nach dem 11. September äußerten diejenigen in Armeeführung und im Geheimdienst ihre Genugtuung, die die Gewalt in Algerien und den gewaltsamen Widerstand gegen die Machtelite nur als islamistischen Terrorismus definierten und tieferliegende Ursachen dadurch vergessen machen wollen. Sie sahen ihre Position bestätigt und versuchten die Gunst der Stunde zu nutzen, um einen Schleier des Vergessens über die Mitverantwortung der Machtelite am algerischen Konflikt und an den Menschenrechtsverletzungen der neunziger Jahre zu legen. Wenn aber die Ursachen des Konflikts, die Konfliktakteure und ihre Interessen sowie das Machtverhältnis zwischen den Konfliktparteien bekannt sind, dann lassen sich auch Lösungsvorschläge für den algerischen Konflikt entwerfen.

Hrsg.: Freie Universität Berlin. Arbeitsstelle Politik des Vorderen Orients. Friedemann Büttner
Reihe: Nahost-Studien 3
2002
286 Seiten
Paperback
ISBN 3-89930-190-0

 
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